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Zum Tod von Prof. Ernst Kößlinger

Foto: privat
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[18|12|2020]

Mit dem Tod von Ernst Kößlinger hat einer der letzten großen Meister der analogen Grafik-Kunst die Welt verlassen. Als Professor hat er die Lehre im Fachbereich Gestaltung an der Fachhochschule München von 1971 bis 1990 maßgeblich mitgestaltet. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen des Künstlers.

 

Am 16. Mai 1926 in Schwabing geboren und schon als Kind ein begeisterter Zeichner, begann Ernst Kößlinger sein Studium des grafischen Gewerbes bei Prof. Eduard Ege, das vom Krieg unterbrochen wurde. Nach der Gefangenschaft kam der kaum 20-Jährige ausgehungert nach Kunst in das zerbombte München zurück, wo er sein Grafik-Design-Studium erfolgreich abschloss. Ab 1949 schuf der junge Gebrauchsgrafiker in seinem Schwabinger Atelier Prospekte und Plakaten vor allem für seine Heimatstadt.

 

Neben seiner Lehrtätigkeit als Professor an der Fachhochschule München, Fachbereich Gestaltung (1971 - 1990) schuf Ernst Kößlinger freie Grafik in den arbeitsintensiven Techniken Farb-Radierung, Holz- und Linolschnitt sowie Lithographie. Daneben entstanden auch zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle, Malereien und Buchillustrationen. „Ich schätze die Auseinandersetzung mit den Tücken des Materials“, sagte Kößlinger vor wenigen Jahren in einem Interview.

 

Hauptsujet seiner Bilder waren Landschaften, inspiriert von Reisen in den Mittelmeerraum und zu fernen Kulturen. Er liebte es, die ganze visuelle Schönheit dieser Welt auf dem Papier festzuhalten: pittoreske Motive in Städten ebenso wie den Kreislauf der Natur. Dabei lag sein besonderes Augenmerk stets auf dem Zusammenspiel zwischen Flächen und Strukturen, Kontrasten und Rhythmen.

 

Später wurden Miniatur-Kunstwerke Ernst Kößlingers bevorzugtes Arbeitsgebiet: Briefmarken, die in Millionenauflage um die Welt gingen und für die er bei Wettbewerben konkurrenzlos oft mit Preisen ausgezeichnet wurde.

 

Mit Ernst Kößlinger geht die Ära der großen Tradition nicht digitaler Grafik zu Ende. Der Münchner hat mit seinem Werk deutsche Grafikgeschichte geschrieben und wurde für sein vielfältiges Wirken mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und der Medaille „München leuchtet“ ausgezeichnet.

 

Der charismatische und feinsinnige Grandseigneur der großen und kleinen Werke starb nach einem künstlerisch und familiär erfüllten Leben am 9. Dezember 2020 in Gräfelfing bei München im Alter von 94 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung.

 

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