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Zukunft überleben

Zukunft überleben
Zukunft überleben

[03.02.2017]

Von Maria Karidi, ForChange und dem Kollektiv unumwunden.

Ausstellung des Masterstudiengangs Advanced Design der Hochschule München in Kooperation mit dem Forschungsverbund ForChange, 6.-9.10.2016 in der Färberei, München

Zukunft überleben. Ein Ausdruck, den es in den 1970er Jahren, in Zeiten des Nachhaltigkeitsbooms, so nicht gegeben hätte – führt Dr. Martin Schneider in seinem Impulsvortrag zur Eröffnung der Ausstellung "Zukunft überleben. Resilienz und Design." an. Zukunft wollte man damals gestalten, nicht nur überleben. Der Titel der Ausstellung „Zukunft überleben“ sei daher bezeichnend für den heutigen Zeitgeist.

Das, was an den Tagen vom 6. bis zum 9. Oktober 2016 in der Färberei präsentiert wurde, ging weit über das Bekannte und Gewohnte hinaus, das man von einer Design-Ausstellung erwarten würde. Das Kollektiv UNUMWUNDEN hat uns einen Blick in die Zukunft gewährt, der außergewöhnlich, erfrischend, inspirierend, kritisch und zum Teil erschreckend war: Angefangen bei einem Mode-Label, das Alltagskleidung für eine Welt herstellt, die von den Folgen des Klimawandels betroffen ist. Etwa einen sauerstoffverabreichenden Poncho oder einen Blazer, der bei Hochwasser zur Rettungsweste wird. Über die Vorstellung eines extraterrestrischen Sonnensegels, das in den Sommermonaten über der Arktis schwebt und die Eisschmelze verhindert. Hin zu einem Fächer mit sieben Kriterien für resiliente Gestaltung, die in der Ausstellung an Gabeln illustriert wurden.

Empfangen wird der Besucher allerdings zunächst von Mimosen, die von dem Kollektiv gezüchtet worden sind, um auf der Ausstellung (voraussichtlich) zu sterben. Die Pflanze ist auf den ersten Blick sehr fragil, hat aber außergewöhnliche Mechanismen entwickelt, die sie auf lange Sicht äußerst beständig und resilient machen. Gleich neben den Pflanzen kann sich der Besucher bereits die ersten Seiten des modularen Ausstellungskatalogs greifen, den sich der Besucher von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück selbst zusammensucht.

Soziomorph und Mehr Stadtraum heißen die Projekte, mit denen der Spannungsbogen der Ausstellung schließt und mit denen eine deutlich stärkere soziale Komponente von Resilienz transportiert wird. Während Soziomorph über die Vernetzung von Diversitäten zu einer resiliententeren Gesellschaft und zum sozialen Frieden beitragen möchte, bietet die Plattform "Mehr Stadtraum" ein Tool zur Erschließung ungenutzter Orte des öffentlichen Raums. In Zusammenarbeit hatten diese zwei Projekte im Sommer unter anderem ein Picknick in Kooperation mit dem Stadtentwicklungsprojekt "Lückenfülle" organisiert, wo Menschen nach ihren Kompetenzen und Erfahrungen gefragt und Vernetzungspotentiale ausgelotet wurden.

Als Abschluss der Ausstellung fand am Sonntagabend eine gut besuchte Podiumsdiskussion statt, um die Arbeiten des Kollektivs mit einer fundierten wissenschaftlichen Perspektive zu ergänzen. Moderiert von der Geschäftsführerin des Forschungsverbunds, Sabine Toussaint, brachte ForChange noch einmal Sozialwissenschaftler und Designer zusammen. Dr. Anne von Streit (Energietransformation) und Dr. Benedikt Gleich (Rohstoffmärkte) zeigten ihre Perspektiven zu Wandel und Resilienz auf. Während Prof. Matthias Edler-Golla von der Design Fakultät der Hochschule München problematisierte, dass den Designern in der heutigen Zeit die Produkte wegbrechen. Angesichts der Tatsache, dass Zahnbürsten und Toaster, deren Produktion alles andere als klimaneutral sei, ohnehin massenweise in China hergestellt werden, müsse sich die Disziplin grundsätzlich überlegen, wie das Berufsbild und die Ausbildung eines Designers in der Zukunft aussehen kann bzw. aussehen soll.  

Das Kollektiv unumwunden hat der breiten Öffentlichkeit eine Ausstellung präsentiert, die weit weniger angewandt war, als es das Design normalerweise beabsichtigt. In einer Zeit mit unendlichen technologischen Möglichkeiten und hocheffizienter Fertigung von Gütern lohnt es sich möglicherweise, ein systematischeres und ganzheitlicheres Denken, ähnlich dem der Resilienzforschung als Basis für zukünftige Entwicklungen in Betracht zu ziehen. Die Welt entwickelt sich rasant. Nur wohin?