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Elektromobil durch München flitzen

Dieses e-Taxi fährt ab nächstem Jahr durch München. Zwei Gäste können mitfahren. (Foto: @ naumann-design)
Dieses e-Taxi fährt ab nächstem Jahr durch München. Zwei Gäste können mitfahren. (Foto: @ naumann-design)

[07|06|2016]

Das City-e-Taxi soll das Taxisfahren revolutionieren. Prof. Peter Naumann gab dem Tausendsassa seine Form

Zwei Gäste, ein/e FahrerIn und jede Menge Stauraum. So macht Taxifahren heute Sinn. Vorbei die Zeiten, in denen riesige Karossen sich durch Dieselschwaden des Feierabendverkehrs von München quälten. Das ist die Vision eines Konsortiums von Projektpartnern, die unter dem Namen Adaptive City Mobility (ACM) ein völlig neues Elektro-Taxi entwickeln.

 

„Weniger ist mehr“

Jede Funktion des Elektro-Mobils wurde neu durchdacht. Letzte Woche zeigte ACM erstmals den aktuellen Designprotypen. Er wiegt nur 550kg – ein Drittel gängiger PKWs, die eigenen Akkus bereits eingerechnet. Dank Strom aus erneuerbaren Energien kurvt er bald klimafreundlich bis zu 120 Kilometer ohne Akkuwechsel durch die Stadt. Mit zweimaligem Austausch per Hand aus dem Fach unter den Sitzen schafft er bis zu 360 Kilometer. Das Auto hat damit sein eigenes Akkusystem und muss nicht lange Zeit geladen werden. Ein aufwendiges Netz an Ladestationen entfällt. Weniger als die Hälfte an Kohlendioxid wie bei heutigen Taxisfahrten gelangen so nur noch in die Umwelt.

 

Gesicht und innere Werte

An den wenigen Funktionen des Mobils orientiert sich auch Naumanns Gestaltung. Der Fahrer sitzt jetzt bequem in der Mitte auf einem orangen Sitz, der sich zum Einsteigen ausschwenken lässt. Die Fahrgäste haben Beinfreiheit und können ihren Blick durch die Panoramafenster schweifen lassen. Allerdings: Es gibt nur eine Türe für die Gäste, einer muss durchrutschen. Vor den Gästen ist ein Display platziert, das die Stadt bebildert oder Shoppingtipps gibt. Naumann suchte nach Formen, „mit denen sich Menschen identifizieren können“ – deshalb das freundliche „Gesicht“ mit den runden Lichtern vorne. Hinten wiederum ist der Wagen ganz Transporter und das nicht nur optisch: Sind die Hintersitze entfernt, lässt sich eine ganze Europalette mit Waren unterbringen. Diese Flexibilität hat ihren Grund.

 

Mehr als nur ein Taxi…

Nicht nur an Material, Verbrauch und dem Wohlbefinden für die Nutzer haben die Projektpartner und Naumann in dem „Leuchtturmprojekt Elektromobilität 2015“ der Bundesregierung gebastelt. Sie entwickeln daraus gleich ein neues Geschäftsmodell. Bis zu 10 Prozent mehr Gewinn erwarten sie sich unter anderem von smarter Steuerung: Die Fahrtenvermittlung an die FahrerInnen durch den Betreiber erfolgt je nach Ladezustand der Wagen. Digitale Displays am Kofferraum und die Bildschirme innen lassen sich mit Werbung bespielen.

 

Und fahren sollen die kleinen Autos fast rund um die Uhr: Vormittags auf Touristentour im Umland, nachmittags als Taxi in München und in der Früh lässt sich Hotelwäsche damit liefern. Doch bis zu dieser Art des e-Sharings dauert es noch. Erst einmal startet das Wunderkind 2017 mit acht Prototypen als e-Taxis in München. Wer mag, lässt sich dann bald durch die Nacht chauffieren, mit viel Platz und Rundumblick auf die glänzenden Lichter.

 

Weitere Informationen: Informationen zu Projekt, Konstruktion und Design des City-e-Taxis lassen sich auf der Seite von ACM finden.

 

 

Christiane Taddigs-Hirsch